Tablet-Vergleichstest: Blaupunkt Endeavour und Discovery
Vergleichstest: Blaupunkt Endeavour 800 und Discovery 10BPM3
Autoradios, Lautsprecher, Verstärker und Kopfhörer: Dafür hat sich der deutsche Hersteller Blaupunkt einen Namen gemacht. Nun gesellen sich noch Tablets hinzu. Zum Vergleichstest begeben sich gleich zwei Blaupunkt-Geräte in den Ring: das acht Zoll kleine Endeavour 800 und das größenmäßig mit dem iPad von Apple vergleichbare Discovery 10BPM3 (9,7 Zoll).
Auspacken Erste Unterschiede beim Unboxing
Beim Öffnen der weißen Originalverpackungen gibt es gleich einen klaren Sieger: Während sich die Verpackung des Blaupunkt Discovery schnell und einfach aufklappen lässt, braucht das Unboxing des Endeavour ein gutes Nervenkostüm, denn der Deckel kann nur durch beständiges Hin- und Herruckeln entfernt werden.
Nachdem die Tablets aus den Schutzhüllen entfernt sind, fällt sofort die fehlende Schutzfolie des Discovery auf. Das ist nicht schlimm, denn runter muss diese für eine optimale Bedienung sowieso. Überraschung in diesem Fall beim kleinen Bruder: Entfernt man hier die Schutzfolie, fallen sofort Luftblasen an den Rändern auf.
Hier hat es Blaupunkt (zu) gut gemeint und noch eine weitere, viel hartnäckigere Folie aufgebracht. Trotz mehrerer Versuche mit den Fingernägeln gelang es mir nicht, diese zu entfernen. Der leicht erhabene Rahmen um das Display erschwert das einfache Abziehen. Da es sich um Testgeräte handelte, wollte ich es auch nicht weiter darauf ankommen lassen.
Im Lieferumfang enthalten ist neben einem farbigen (Endeavour) bzw. schwarz-weißen Handbuch (Discovery) jeweils ein Ladegerät. Das dreiteilige Ladegerät des Blaupunkt Discovery bietet den Vorteil, dass man das Tablet per USB, zum Beispiel am Computer aufladen kann. Beim Endeavour liegen das versprochene USB-Kabel (für Anschluss per microUSB) sowie ein Kopfhörer dabei.
Fakten Die Blaupunkt-Tablets vis-à-vis
| Blaupunkt Endeavour 800 | Blaupunkt Discovery 10BPM3 | |
| Prozessor | 1,5 GHz Cortex A9 Dual-Core-Prozessor | 1,0 GHz NVIDIA Tegra 2 Dual-Core-Prozessor |
| Speicher | 1 GB Arbeitsspeicher 8 GB interner Speicher erweiterbar um bis zu 32 GB per microSD | 1 GB Arbeitsspeicher 16 GB interner Speicher |
| Display | 8 Zoll IPS 1.024 x 768 Pixel | 9,7 Zoll IPS2 1.024 x 768 Pixel |
| Abmessungen | 205 x 158 x 11 mm | 242 x 189 x 12 mm |
| Gewicht | 472 g | 630 g |
| Farbe | grau | grau |
| Kamera | 2 MP Kamera 0,3 MP Frontkamera | 5 MP Kamera 2 MP Frontkamera Fotolicht |
| Verbindungen | WLAN 802.11 b/g/n Bluetooth 4.0 + EDR | WLAN 802.11 b/g/n Bluetooth 2.1 + EDR 3G (UMTS) |
| Schnittstellen | Kopfhörer microUSB (2.0) mini HDMI microSD Mikrofoneingang | Kopfhörer Docking-Anschluss |
| Akku | Lithium-Ionen 4.300 mAh | Lithium-Ionen 7.600 mAh |
| Betriebssystem | Android 4.0.4 | Android 4.0.4 |
| Lieferumfang | Ladekabel | Lade-Adapter USB-Kabel Handbuch |
Einschalten Erste Kontaktaufnahme
Zunächst das Endeavour: Die Frontkamera befindet sich in der Mitte der Längsseite. Blaupunkt setzt offenbar bei diesem Tablet darauf, dass es hauptsächlich im Landscape Mode (Querformat) verwendet wird. Daher befinden sich der Ein-/Aus-Schalter sowie ein Wippschalter für die Wahl der Lautstärke am oberen Rand des Gehäuses.
Das Gerät begrüßt mich kurz mit einem Blaupunkt-Startscreen, gefolgt vom Android-Logo. Der Start geht schnell und man landet beim Sperrbildschirm. Zieht man das Schlosssymbol nach rechts, wird die Sperre aufgehoben, in entgegengesetzter Richtung gelangt man direkt zur (nicht ganz zeitgemäßen) 2-MP-Kamera. Das Bildrauschen verdeutlicht diese Tatsache.
Etwas besser ist die Kamera des Blaupunkt Discovery. Sie befindet sich in der Ecke, da man sich hier im Bezug auf die vorrangige Nutzung von Hoch- oder Querformat nicht festlegen wollte.
Bis man sie allerdings benutzen kann, vergeht einige Zeit. Denn während das Endeavour schnell einsatzbereit ist, muss die Taste zum Einschalten beim Discovery unglaubliche 15 Sekunden lang gedrückt bleiben, bis endlich der Blaupunkt-Startbildschirm erscheint.
Das ist nicht nachvollziehbar, da es die Grundvoraussetzung eines Tablets, schnelle Verfügbarkeit, ad absurdum führt. Der Wettbewerbsvorteil gegenüber einem herkömmlichen PC oder Notebook schmilzt so dahin wie Schnee in der Sonne, denn in denselben 15 Sekunden ist ein MacBook Air mit SSD fertig hochgefahren und einsatzbereit.
Noch viel schlimmer: Nach einiger Zeit der Inaktivität (einmal über Nacht, einmal nach ca. drei Stunden) schaltet sich das Discovery-Tablet eigenmächtig komplett aus! Dann folgt unvermeidlich das Dèjá-vu vom ersten Start – 15 Sekunden lang den An-Schalter drücken.
Die Einsatzbereitschaft eines Geräts hängt auch von der Ladegeschwindigkeit ab. Während das Endeavour in knapp zwei Stunden vollständig aufgeladen ist, waren nach 1,5 Stunden beim Discovery erst 23 Prozent der Akkuleistung erreicht. Nach sechs Stunden wechselte schließlich die rote Diode auf Grün und erlöste den ungeduldig wartenden Tester.
Mehr als 98 Prozent Ladung scheinen beim Blaupunkt Discovery gar nicht möglich zu sein, selbst nach mehrfachen Versuchen, die volle Ladung zu erreichen, verharrte die Prozentanzeige bei diesem Wert.
Bedienbarkeit Nicht ganz aktuell
Die Bedienung beider Devices ist intuitiv, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Details vom aktuelleren Android 4.2, das beispielsweise auf dem Nexus 7 von Google installiert ist. Hervorzuheben ist beim Discovery die Rückmeldung bei Aktionen auf dem Display per Vibration. Gerade für Menschen mit Sehschwäche ist das eine gute Ergänzung. Für alle anderen lässt sich diese Option in den Tastatureinstellungen auch deaktivieren.
Die Geschwindigkeit beider Geräte unterscheidet sich nicht merklich. Für den einfachen Anwender, der auf der Couch ein wenig surfen, E-Mails schreiben und Fotos betrachten will, sind die Tablets gut geeignet.
Das kleinere Endeavour wird zwar aufgrund der Anschlussmöglichkeiten von Tastatur (Bluetooth) und Bildschirm (miniHDMI) als vollwertiger Arbeitsrechnerersatz angepriesen, jedoch ist so ein Einsatz für mich nur schwer vorstellbar.
Auch das Discovery wird in Verbindung mit der optional erhältlichen Docking-Station als PC-Ersatz angepriesen. Gerade in der Preisklasse des Discovery finden Käufer mit diesem Anspruch aber adäquate Laptop-Angebote.
Beiden Devices gemeinsam ist außerdem das Ruckeln beim Scrollen bzw. beim Hinein- und Herauszoomen während des Surfens im Internet. Scrollt man etwas zu schnell, rollt der Bildschirminhalt beispielsweise bei langen Nachrichtenseiten komplett durch. Hier fehlt es ein wenig an der Abstimmung zwischen Hardware und Android.
Ansonsten lässt sich das Betriebssystem aber auch von Ungeübten gut bedienen und mittels Widgets, den bereits vorinstallierten oder (wenn ein kostenloses Google-Konto vorhanden ist) aus dem Google Play Store geladenen Apps nach eigenen Wünschen einrichten.
Glatt vs. spröde
In puncto Helligkeit und Farbsättigung des Displays hat das Discovery einen leichten Vorsprung, beim Blickwinkel sind die Vorteile sogar recht deutlich. Des Weiteren bietet das größere Blaupunkt die Möglichkeit, die Display-Helligkeit automatisch zu regeln. Da um beide Displays herum ein breiter schwarzer Rahmen ist, wirken die Tablets größer, als sie eigentlich sind. Etwas weniger Rahmung würde hier eleganter wirken.
Im Bezug auf das Gehäuse könnten beide Testkandidaten nicht unterschiedlicher sein. Unabhängig von der Größendifferenz kommt das Endeavour in einem glatten Kunststoffgehäuse daher und liegt gut in der Hand. Negativ fällt der rückseitig und dadurch vom User abgewandte Lautsprecher auf.
Bei mittlerer bis höherer Lautstärke fallen die dabei auf das Gehäuse übertragenen Vibrationen unangenehm auf. Qualitativ besser sind da die an zwei Ecken integrierten, extrem großen Lautsprecher des Blaupunkt Discovery.
Dessen graues Gehäuse wird als Cool-Rock-Oberfläche vermarktet. Wenn man diese Bezeichnung kennt, lässt sich die Begriffsanlehnung an Gestein nachvollziehen. Ohne diese Kenntnis ist es einfach ein raues, jedoch nicht unangenehmes Tablet-Gehäuse, das dem Blaupunkt Discovery einen gewissen Outdoor-Verwendungszweck andichtet.
Trotzdem wirkt das größere der beiden Testgeräte wie aus einem Guss, denn die raue Cool-Rock-Haptik schmiegt sich von der Rückseite um die Kanten herum an den Display-Rahmen an.
Etwas rustikaler geht es beim Endeavour zu: Ob man die zwar kleinen, aber doch sichtbaren Schrauben auf der Seite mit den vielseitigen Anschlussoptionen als störend empfindet, muss jeder selbst entscheiden.
Dass die Verarbeitung einfach gehalten wurde, stellt man bei intensiver Nutzung schnell fest. Vor allem in den Ecken des Displays knarzt und knackt es immer wieder mal. Fairerweise sollte man hier aber auch den Kostenunterschied in Betracht ziehen: Das Blaupunkt Endeavour kostet nahezu halb so viel wie das Blaupunkt Discovery.
Verbindung hat das Endeavour in meinem Home-Netzwerk dank WLAN schnell und einfach aufgenommen. Der Weg dorthin (über die Geräte-Einstellungen) ist beim Discovery aufgrund des gleichen Betriebssystems identisch. Trotzdem verweigerte sich das Discovery beharrlich, das Funknetz überhaupt zu finden. Ergründen ließ sich dies nicht, im Büro hat es am Ende mit dem WLAN doch noch geklappt.
Vernunftentscheidung
Ein Fazit ist schwer, da die Geräte trotz desselben Herstellers kaum unterschiedlicher sein könnten. Groß oder klein? Anschlussfreudig oder puristisch? Glatt oder rau? Das sind Fragen des persönlichen Geschmacks. Lasse ich alle Merkmale und den Preis nochmals Revue passieren, würde ich mich für das kleinere Blaupunkt Endeavour 800 entscheiden.








